Mittwoch, 3. Februar 2016

Alltagskleidung


Meine Alltagskleidungsnähaktivitäten schreiten zügig voran. Wenn ich nicht gerade Wollwalk in den Sand setze (erklärender Post folgt), dann gelingt es in diesem Jahr bisher ganz gut!

Drei schnelle und gelungene Nähaktionen, die eigentlich in das tolle Projekt Brot und Butter von 700Sachen gehören, allerdings bin ich quer zum Zeitplan bzw. ganz ohne, weil ich ohne Plan und Struktur einfach alles nähe, was mir alltagstauglich erscheint und im Schrank noch fehlt.

Nummer 1 ist Suopursu, ein Bahnenrock aus Ottobre 5/2014, hier der Schnitt Nr. 10, mit deutlicher Verlängerung nach unten. Ich habe den Rock schon mal aus einem schwarzen einfachen Baumwolljersey genäht und sehr viel getragen. Jetzt habe ich dünnen extrem stretchigen Viskosejersey mit Pünktchen genommen, der mir für alle anderen Kleidungsstücke viel zu dünnfusslig war. Und den Rock mit einem Wirkfutter gefüttert, damit man nicht durchschauen kann und mir die Stoffmengen umso schöner um die Beine flattern. Und wie toll ist das geworden, ich bin ganz glücklich. Schöner Stoff, idealer Schnitt für mich, und ein Spaß beim Tragen. Mir gefällt der Schnitt sehr, weil er um Taille und Hüfte eng ist, nach unten aber weit ausläuft.

Nummer 2 ist ebenso gelungen und ebenso aus Ottobre (irgendwie gefällt mir da immer mehr immer besser):  Eine Jersey-Zipfeljacke (Modell 9, Pearl, aus dem Heft 2/2012). Ich hatte einen sehr schönen  Viskosejersey im Ausverkauf gefunden, reduziert auf 6 Euro pro Meter, seidenweich, glatter Fall und mit einer schönen Schwere.

Drei Meter habe ich mitgenommen, im Nachhinein hätte ich gleich 10 oder 20 Meter kaufen sollen. Die Jacke (kleine FBA) sitzt perfekt, fällt schön, passt zu praktisch allem, wärmt angemessen aber nicht zu sehr, und ist genau die richtige Mischung aus elegant und casual. Einzige Änderung ist eine deutliche Verlängerung der Ärmel. Hier häuslich und bei schlechtem Winterlicht mit einem ollen Jeansrock getragen, auf der Arbeit mit schmaler schwarzer Hose oder engem schwarzen Rock noch ein gutes Stück hübscher anzuschauen -

Nummer 3 entstand aus dem Rest des Stoffs von Nummer 2. In der Tat war das wirklich nur noch wenig, ca. 80 cm und ein paar Restchen. Entschieden habe ich mich für Vogue 8669, Version B. Ein Wasserfallshirt mit halblangen Armen. Leider passten die Schnittteile in keiner Richtung auf den Stoff, so dass ich heftig stückeln musste. Letztlich ging es auf und ich musste das Shirt sogar noch um ein gutes Stück kürzen.

Mein erstes Experiment mit Wasserfallkragen, und hier entsteht die Mehrweite durch eine starke Raffung des Vorderteils an den Schulternähten. Schwer zu sehen bei dem dunklen Stoff. Meine Sorge war, dass das Shirt ständig nach hinten rutscht, aber es geht. Mir gefällt es sehr, es ist eine wesentlich elegantere und schönere Variante zu engen Röcken und Hosen als die langweiligen, ausgeblichenen schwarzen schlichten Shirts, die ich sonst häufig trage.

Dreimal Alltag, dreimal geglückt - was will ich mehr. Wenn es so weitergeht im Jahr 2016, dann bin ich zufrieden. Und jetzt gehe ich mal schauen, was die anderen Damen vom MeMadeMittwoch so zeigen.

 

Donnerstag, 14. Januar 2016

Brot und Butter - unbedingt!

Mit mir und den Sew Alongs ist das so eine Sache. Ich bin immer sehr begeistert und möchte unbedingt mitmachen, einfach deswegen, weil diese wilde Nählust dann irgendwie - anscheinend - vermeintlich - in überschaubare Bahnen gelenkt wird. Bleibt sie so wild wie sie gern mal ist, dann entstehen praktisch im Stundentakt neue Nähwünsche, und die Lust am Planen ufert auf die wunderbarste Weise in alle Richtungen aus. Ist ja in Ordnung, ist auch ein Teil dieses enormen Vergnügens zu nähen, und geht hoffentlich nie verloren (wie arm wäre das Leben dann!). Aber so ein Sew Along: Da hat Frau doch das Gefühl, dass alles Hand und Fuß hat. Einen Zeitplan! Meilensteine! Eine gewisse soziale Kontrolle! Super.

Insofern hat mich natürlich auch der Brot-und-Butter-Sewalong direkt erwischt. Unbedingt, ich kann gar nicht anders. Aber da bei mir schon mehrere Sewalongs kläglich auf der Strecke geblieben sind, bin ich mir selbst gegenüber da mittlerweile sehr skeptisch. Letztlich ist mein Nähen die reine Anarchie. Zum Beispiel: Hier liegen ein ungefütterter Wintermantel, der angesichts der vorhergesagte 16 Grad minus (in Worten: sechzehn) in der nächsten Woche unbedingt noch gefüttert werden sollte. Außerdem ein wunderbar tolles petrolblaugrünes Wolljacket (Ottobre 5/2015, basic wardrobe), das leider grenzwertig eng zu sein scheint, weil meine tolle FBA aufgrund eines fatalen Konstruktionsfehlers irgendwie Murks ist. Außerdem UFOs (ach ja, da gäb es auch gerade einen Sewalong...).

Aber da läuft mir doch aus irgendwelche Gründen diese Tasche über den Weg:

New in the Store: Sally’s Bag Patternhttp://www.craftsy.com/pattern/sewing/accessory/sallys-bag/132346

Nicht, dass ich eine Tasche brauche. Aber so etwas Tolles, wer kann da widerstehen. Also plane ich das Taschennähen und werfe alles andre über den Haufen. Bis ich möglicherweise auf einmal feststelle (so ca. 2 Stunden später), dass die Arya-Tasche, die schon viele in der Nähnerd-Community genäht haben, auch unbedingt sein muss. Und dass ein Jacket fehlt! Und irgendwie Oberteile!

Also wie auch immer: Brot und Butter muss sowieso sein. Ich sage mir jetzt, dass ich das ja sowieso vorhatte, als Beweis verlinke ich auf meinen Post von gestern.  Da steht's doch! Also: Das klappt jetzt.

Geplant sind verschiedene Kleidungsstücke, die meine Alltagsgarderobe vervollständigen. Insbesondere wären das:

Taschen (ha! Irgendwie muss ich das Sally's Bag-Projekt ja legitimieren! Taschen sind Kernbestand des Alltagslebens, oder??)
Finale Fütterung des Wintermantel-UFOs (steht für übernächstes Wochenende an)
Noch mindestens zwei oder drei Ladyskater, nachdem die ersten beiden Versuche sehr gelungen sind
Oberteile: Mindestens zwei oder drei blusenartige Oberteile, z.B. aus leichtem Leinen
Als Schmankerl: Ein Jacket. Sowas Chanel-Artiges. Auch da liegen mindestens (kleine Übertreibung) fünf Schnittmuster hier parat.
Ein schlichtes Sommerkleid (Etuikleid, kleine Ärmel) aus verschiedenen Stoffen (äh, also mehrere Sommerkleider), konferenztauglich. 

Schon genäht habe ich in der Sparte Alltagstauglichkeit eine wirklich tolle Jerseyjacke (Ottobre, wird noch gebloggt) und einen Pünktchenstoffjerseyrock.

Ich freue mich schon. Ich nähe dann sowieso was anderes, weil das mit dem Planen nie klappt, aber egal: Es wird auf jeden Fall alltagstauglich und Brot-und-Butter. Danke für den tollen Sewalong, ich bin sehr gespannt, was die anderen alles so planen!

Mittwoch, 13. Januar 2016

Lieblingskleidungsstück

Das letzte Jahr war nähtechnisch für mich ein Fortschritt. Es bleibt noch sehr viel Luft nach oben. Aber ich habe erstmals für mich ein paar Dinge begriffen. Manchmal sind dadurch auch Sachen, die ich eigentlich schon 2014 genäht und als mehr oder weniger nicht tragbar zur Seite gelegt hatte, zu neuem Leben erwacht und wurden erstmals überhaupt getragen, so dass ich sie hier ganz gegen die Regeln als Kleidungsstücke von 2015 mit aufliste.

Das betrifft

a) die Farben. Aus irgendeinem Grunde zog es mich immer zu den eher pastelligen Farbtönen, generell auch zu dunkel, schwarz, anthrazit. Ich sehe aber mittlerweile, dass mir das oft nicht steht. Was mir steht, sind Rottöne, vor allem Bordeauxrot, auch Petrolgrün, generell Grün, und manche Lilatöne. Im letzten Jahr habe ich angefangen, die ersten Gehversuche mit diesen Farben zu machen, und werde mutiger beim Tragen. Insofern hier mein erstes Lieblingskleidungsstück von 2015 (obwohl genäht 2014), die "Art Teacher" Tunika aus der Ottobre, vor zwei Wochen erstmals tatsächlich in der Öffentlichkeit getragen, viel Zuspruch erhalten (passiert sonst eher selten!) und danach ganz vorne in den Kleiderschrank gehängt. Bordeauxrot - das ist meine Farbe für 2016! Ebenso auch das Kleid hier (Simplicity 7151), entstanden ebenfalls als Schrankhüter im Jahr 2014, aber im im Sommer 2015 erstmals und sehr gern getragen.

b) die FBA und sonstige Anpassungen für meine speziellen Körperformen. Es ist mir klar geworden, dass alles, was ich nähe, von einer FBA profitiert und ich im Gegenzug lieber eine Nummer kleiner zuschneide. Das löst viele Probleme gleichzeitig. Sehr deutlich habe ich das bei meinen Experimenten mit dem Lady Skater Dress gemerkt, die ich zwischen den Jahren angestellt habe. Ein Probekleid (etwas kindlicher petrolfarbener Baumwolljersey mit Lilapünktchen, sofatauglich) war ok, aber an der Oberweite zu knapp, ebenso an der Taille - vor allem die Rückseite ist nicht wirklich erfreulich anzuschauen. Bei einer Nummer größer würde aber der Schulterbereich nicht mehr passen. Das zweite Exemplar (erwachsener dunkelgrauer Romanitjersey, bürotauglich) ist perfekt und könnte ein Lieblingsteil werden, mit beidseits 2,5 cm FBA und etwas verbreiterter Taille. Dazu kommt noch ein Blogbeitrag mit Bildern an der Frau.

c) die Alltagstauglichkeit meiner Nähexperimente. In diesem Jahr habe ich entschieden und beherzt angefangen, Alltagsgarderobe zu nähen. Allem voran diese beiden Röcke (Knip und Ottobre), die ich sehr oft und gern trage (das sind die Lieblingsmodelle 3 und 4), aber auch noch weitere, teilweise hier gar nicht gezeigte Dinge wie eine Ottobrejacke aus - wer sagt's denn - bordeauxrotem Flutschjersey - da folgt auch nochmal ein Blogbeitrag.  

Und mein absolutes Lieblingsstück aus dem vergangenen Jahr gehört auch in die Rubrik Alltagstauglichkeit: der petrolfarbene Mantel aus Baumwollstretch mit Futter, der im Rahmen des WJSA entstanden ist und längst Alltagsbestand wurde - leider nach wie vor nur ein zu dunkles Winterlichtwohnzimmerfoto.

Meine Nähvorsätze für 2016 werden diesen Anfängen weitere Taten folgen lassen: Farbenauswahl eher in Richtung rot/grün (neben dem unvermeidlichen Schwarz und Grau natürlich, das für Bürozwecke nicht zu ersetzen ist), FBA bzw. sonstige Anpassungen, die für mich nötig sind, und Alltagstauglichkeit. Ideal wäre es, wenn ich 2016 endlich auch mal einen Basisschnitt für mich erstelle.

Und jetzt gehe ich mal nachschauen, was die anderen Damen des MMM im letzten Jahr als Lieblingsstücke ausgewählt haben!Ich freu mich schon, der MMM ist in den letzten beiden Jahren für mich zu einer dauernden Quelle von Inspiration und Vergnügen geworden. So toll, was alle nähen, und schier unermesslich, was ich alles noch nähen will!


Sonntag, 29. November 2015

Seeehr zufrieden!


Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin sehr zufrieden. Kaum war der letzte Knopf angenäht, hab ich den Mantel angezogen, und seitdem ist er (fast) täglich im Gebrauch. Zum Glück spielen die Temperaturen mit, es ist noch nicht kalt geworden, so dass der Baumwollstoff plus Futter ausreichend Wärme gibt.

Mantelschnitt, Material und Farbe passen gut zusammen. Das samtige Petrolgrünblau ist
wunderschön. Die vielen kleinen Dinge, die ich beim Nähen kritisch beäugt habe, erweisen sich im Alltag als mehr oder weniger egal, weil sie niemand sieht (Futtereinsatz an den unteren Ecken...) oder weil es weniger tragisch ist, als ich befürchtet hatte (fehlende FBA).

Positiv überrascht war ich außerdem, dass Schulterbreite und Ärmellänge perfekt passen. Das fand ich schwierig anzupassen, weil ich den Mantel bei recht warmen Temperaturen genäht habe und beim Anprobieren entsprechend dünn angezogen war. Mir schienen die Ärmel eventuell zu lang, aber ich hab dem Schnittmuster vertraut und nicht gekürzt, und tatsächlich passt es so perfekt.

Das Futter passt farblich trotz meiner anfänglichen Skepsis auch sehr gut, es ist nicht zu hell. Und ausreichend Bewegungsfreiheit hat man auch.Mich macht ja der Blick in den Ärmel ganz glücklich, diese Fülle von Futter so hübsch verstaut darinnen.

Ich trage den Mantel mit Stolz und Freude und überlege mir schon, ob ich den Schnitt noch einmal nähe aus einem stärker fließenden Stoff mit Wollanteil, einem größeren Kragen (da gibt es mehrere Varianten beim Schnittmuster) und einer isolierenden Zwischenschicht.

Heute findet auf dem MMM-Blog das große Winterjackensewalong-Finale statt. Ich bin ganz stolz, dass ich meinen ersten Sewalong erfolgreich abgeschlossen habe (die Zahl der Sewalongs, die aus verschiedenen Gründen auf der Strecke blieben, zähle ich gar nicht erst). Zwar war ich mit zwei Projekten gestartet und das Füttern des zweiten Mantels steht noch aus, aber heute ist mir das egal. Und jetzt geh ich mal schauen, welche Mäntel die anderen Damen des MMM so genäht haben!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Freud und Leid, aber es wird!




Ich hatte ja einen vergleichsweise guten Start, weil ich schon die Entscheidung für Stoff und Schnitt getroffen hatte, als der MMM-Sewalong losging. Und trotz extrem knapper Nähzeit bin ich tatsächlich dran geblieben und der Mantel ist fast fertig - wie man sieht fehlen die drei unteren Knöpfe noch.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass ich ganz zufrieden bin, aber Verbesserungsmöglichkeiten gibt es erheblich.


Auf dem MMM-Blog geht es heute um Krägen. Ich bin sehr erleichtert, dass mein Mantel einen vergleichsweise einfachen Kragen hat, einen Stehkragen. 

Wirklich beunruhigend sind die Armkugeln, wie ich beim letzten Post schon geschildert hatte. Ich verstehe einfach nicht, wie man diese Stoffmengen hätte einreihen und in der Naht verstauen sollen. Meines Erachtens geht das nicht. Auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass Butterick hier der Schuldige ist - da suche ich die Schuld lieber bei mir. Aber wo??? Genauso erstaunlich ist es, dass es beim Tragen irgendwie nicht auffällt. Es sieht einfach aus wie ein bisschen Mehrweite und als sollte es so sein. Und es ist natürlich auch bequem so.

Ebenfalls suboptimal ist die Futtersituation an den vorderen Ecken bei den Vorteilteilbelegen. Keine Ahnung, wie das eigentlich hätte sein sollen, jedenfalls ging das bei mir nicht so auf wie in der Anleitung vorgesehen. Erstaunlicherweise haben meine kühnen Berechnungen, an allen Ecken und Enden noch einen Millimeter Futter zu gewinnen, tatsächlich funktioniert, es passt alles und nichts klemmt.

Etwas fraglich ist auch die Silhouette von der Seite und von hinten. Ich bin mir noch unsicher, ob ich die Falten streng bügele und damit das Volumen etwas verringere. Im Moment sind sie halbherzig gebügelt und erzeugen von der Seite doch einen ziemlichen Enten-Po.

Verbesserungsbedürftig zum Letzten: Ich habe vor lauter Begeisterung, dass ich den idealen Stoff und den idealen Schnitt hatte, einfach mal angenommen, dass Mäntel WEIT sind und man deswegen keine Aufmerksamkeit auf solchen Sachen wie FBA verschwenden muss. Ein scharfer Blick auf die Schnitt-Teile hätte gereicht, und es wäre selbst für mich eindeutig gewesen, dass dem nicht so ist. Der Brustpunkt hätte ungefähr 3 cm nach unten versetzt gehört, und eine FBA wäre auch nicht verkehrt gewesen. Der Mantel ist nämlich oben eigentlich nicht weit, sondern eher wie ein Blazer geschnitten.

Im Moment hängt Mister Beautiful noch auf der Kleiderpuppe und wartet auf die letzten Knöpfe. Außerdem gibt es einen kleinen Fauxpas in seinem Innneleben, so im Bereich der Naht, die Futter und Nahtzugaben des Kragens oben im Rückenteil absteppt und wo die enthusiastische Näherin leider nicht auf die Idee kam, den Unterfaden (spricht die Futterseite) mit einem hellpetrolfarbenen Garn zu ersetzen. Jetzt schlängelt sich dort wenig erfreulich ein scharzes Nähmonster entlang, das eindeutig darauf hinweist, dass a) die künftige Trägerin dieses Kleidungsstücks an dieser Stelle nicht besonders gerade genäht hat und b) zu wenig geistesgegenwärtig, um die richtige Fadenfarbe zu nehmen.

Aber auch hier: EGAL!!! ES WIRD FERTIG!! MEIN ERSTER RICHTIGER EIGENER MANTEL!! Ich bin schon sehr stolz. Hoffentlich kann ich ihn tragen und er bewährt sich. Und hoffentlich gibt es nicht den angekündigten Jahrtausendwinter, denn wenn es richtig kalt wird, dann braucht's doch was Wärmeres.

Alle anderen mantelnähenden Damen treffen sich heute hier!


Sonntag, 4. Oktober 2015

Hoffentlich wird's was!

Ich hatte ja schon bei meinem ersten Mantel-Sewalong-Post geschrieben, dass ich vergleichsweise komfortabel einsteige: Mit einem angefangenen und einem dreiviertelsfertigen Projekt, d.h. Stoffwahl und Schnitt sind bei mir schon entschieden. Das heutige Thema auf dem MMM-Blog ist für mich aber nochmal sehr wichtig: Ich befürchte bei beiden Projekten, dass die Wintertauglichkeit nur recht eingeschränkt gegeben ist, weil die Isolierung fehlt; und ich bin beim Petrolmantel jetzt genau an der Stelle, wo man die Schulterpolster einsetzen soll. Die Beschreibung in der Anleitung irritiert mich, und deswegen werde ich mir jetzt erstmal das Tutorial dazu anschauen!

Aber insgesamt: Ich bin guten Mutes. Der Stoff ist absolut wunderbar, das Petrol genau in der richtigen Weise dunkel und leuchtend zugleich. Leider finde ich das Futter, das ich dazu gekauft hatte, zu hell - das ist eher so ein lindgrünpetrol. Aber ich hatte beim Futterkauf natürlich den Oberstoff nicht dabei, in der Erinnerung sind die Farben irgendwie ähnlich gewesen, und nun ist es halt so.

Gewisse Tücken hat das Projekt ja schon. Erstmal habe ich große Probleme gehabt, die Ärmel vom Oberstoff einzusetzen. Ich habe mittlerweile schon viele Ärmel eingesetzt und eigentlich klappt das mit dem Einreihen und Ausgleich immer ganz gut. Hier ist aber so viel Stoff am oberen Ärmelrand, dass ich es beim besten Willen nicht ohne Fältchen hinkam. Keine Ahnung, wie man das machen soll. Jetzt hat er halt Fältchen, wie man auf den Bildern hier bestens sehen kann. Auch Bügeln hat die Sache nur verschlimmbessert, weil der Stoff glänzend wird und nun erst recht seine faltenreiche Pracht zeigt.

Gestern habe ich mal bei einem gekauften Mantel geschaut, wie das aussieht, und war überrascht, wie sehr der Ärmel oben tatsächlich über Mehrweite verfügt im Gegensatz zum Schulterbereich. Irgendwie scheint das wirklich so zu sein, dass da viel eingereiht gehört und man das irgendwie ausgleichen muss. Aber wie??? Mein Stoff ist sogar dehnbar, hätte ich den die Schulternaht einfach extrem ausdehnen müssen beim Zusammennähen, damit es letztlich passt?? 

Richtig extrem wurde das Problem dann mit dem Futter, ich bin nämlich mittlerweile so weit, dass ich den Futtermantel auch mehr oder weniger fertig habe. Da sind es richtige Puffärmel geworden. Kein Problem so gesehen - sieht ja niemand. Und um die Bewegungsweite muss ich mir dann schon mal keine Sorgen machen. Aber trotzdem, wie kommt das?? Das ist im Schnitt auf keinen Fall so vorgesehen, soweit ich das beurteilen kann.

Generell war ich äußerst skeptisch, was die Größe des Futtermantels angeht. Neulich habe ich ein Tutorial gefunden zum Erstellen eines Futters für Jacken und Mäntel, wenn im Schnittmuster keines vorgesehen ist. Was mir sofort einleuchtete, war nicht nur die Bewegungsfalte im Rücken, sondern auch eine Verlängerung des Ärmels im unteren Bereich der Armkugel. Merkwürdigerweise sieht dieser Schnitt hier aber weder eine Bewegungsfalte noch sonst irgendwelche Anpassungen des Futters vor. Man nimmt einfach die normalen Schnitt-Teile und schneidet die Teile halt aus Futterstoff zu, so dass Obermantel und Futter exakt gleich groß werden. Das kann doch eigentlich gar nicht gut gehen??

Die pragmatische Lösung war es, die 1,5 cm Saumzugabe beim Futter kurzerhand auf ein Minimum zu reduzieren. Da der Rücken eine Mittelnaht hat, kommen dann immerhin doch ein paar Zentimeter Bewegungsweite heraus. Ebenso habe ich es bei den Ärmeln gemacht, auch beim Einsetzen der Futterärmel. Hoffentlich passt es zusammen und ich kann mich bewegen.

Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich an diesem Projekt erstmal nach Anleitung lerne, wie man einen Mantel füttert. Ich werde den grauen Wollmantel genau so behandeln, eventuell noch erweitert um Bewegungsfalten und -zugaben. 

Richtig gut sieht schon der Kragen aus.

Ich bin sehr gespannt. Leider habe ich jetzt in den letzten Tagen beim kalten Ostwind gemerkt, dass es - hatte ich nach dem saharaheißen Sommer irgendwie vergessen - ja tatsächlich Tage gibt, an denen man sich richtig warm anziehen möchte. Das wird der Petrolmantel hier leider nicht bieten können, da fehlt ihm das Thermofutter. Ich verfolge mit großer Anteilnahme, wie die anderen MeMade-Näherinnen das Thema Isolierung behandeln und bleibe erstmal bei einem hoffentlich tragbaren Herbstmantel.

Mittwoch, 30. September 2015

Knip Rock und Bluse

Es gab irgendwo ein Angebot für ein Probe-Abo der KNIP, für sechs Monate, und da habe ich mich verlocken lassen. Es berichten immer so viele, dass die KNIP-Modelle gut sitzen, gut zu nähen und überhaupt gut gemacht sind. Leider war das noch zu einer Zeit, als ich nur die holländische Ausgabe kannte, so dass ich auch ein holländisches Abo hatte.

Meine Erfahrung mit den Heften ist sehr gut. Ich möchte eigentlich aus jedem Heft etwas oder sogar mehrere Sachen nachnähen.

Das Heft (4/2015) hatte es mir besonders angetan, da waren sicherlich 5 Modelle drin, die ich interessant fand und teilweise auch schon genäht habe. Angefangen habe ich mit einem Rock, der Nummer 10 (Schnittübersicht). Der Rock ist auf den Bildern gar nicht so gut zu sehen. Er sitzt hoch in der Taille, mit Gürtel, d.h. man muss enge reingesteckte Oberteile dazu tragen, was für mich ungewöhnlich ist - aber das Ergebnis überzeugt mich sehr.

Ich habe SEHR gekämpft mit dem Niederländisch. Der Rock ist nicht einfach, für meine Verhältnisse jedenfalls. Ich hatte noch nie einen richtigen Hosenreißverschluss mit Untertritt genäht, auch die Taschen sind nicht so ohne. Ich saß hier mit Notebook und habe mich gewundert, was Google translate so alles übersetzt hat - unter anderem kam ein Schlaganfall vor, und meistens konnte ich nur mit Mühe erraten, was los ist. Allerdings bin ich auch überrascht, wie schnell man die Anleitungen dann doch "versteht", wenn man ein paar wenige Wörter rausgefunden hat. Vor allem, wenn man es sich vorliest, hihi. Ich bin ja norddeutsch, und eine gewisse Nähe zum Platt kann man schon heraushören. Mittlerweile schaue ich mir jeden Monat die Fashion Style an, die deutsche Ausgabe, und kaufe auch gelegentlich ein Heft.


Wie auch immer: Mühsam, aber es hat funktioniert. Der Rock ist richtig schick. Ich habe einen sehr festen Fischgrät-Baumwollstoff genommen, der meine Nähmaschinen an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Eigentlich ist der Schnitt eher für leichte Stoffe gemacht. Teilweise habe ich mich an meine Mantel-Näh-Verzweiflung erinnert.

Der Schnitt sitzt perfekt. Ohne Anpassungen. Ich nehme einen normalen Gürtel, da der Stoff für einen genähten, der eigentlich vorgesehen ist, einfach zu dick und unbeweglich ist. Ein schöner Rock, der bestimmt oft zu Hause und im Büro getragen werden wird.

Dann habe ich gleich noch etwas aus demselben Heft genäht, und zwar die kleine Bluse (Nummer 21). Dieses Oberteil hat mir sofort gefallen, und ich habe es aus einem Stück Reststoff probegenäht.Ich weiß nicht genau, was für ein Material das ist, jedenfalls eine sehr dünne Baumwoll-Irgendwas-Mischung, die schön fällt. Die beiden großen Falten im Vorderteil sind etwas überraschend, zunächst dachte ich, das geht gar nicht, weil der Blick so auf die Oberweite gelenkt wird. Aber tatsächlich sieht es einfach nett und sommerlich aus und hat mir in den extremen Hitzephasen dieses Sommers gute Dienste geleistet.

Geändert habe ich nichts. Die Halskante wird mit einem Beleg eingefasst, die anderen Kanten einfach nur umgeklappt und festgesteppt. Die Farbe ist wunderschön, ein helles Fliederlila und im Sommer eine gute Sache in Kombination mit einem engen schmalen Rock.

Bestimmt gibt es auch heute wieder viel zu schauen beim MeMadeMittwoch!





Mittwoch, 23. September 2015

Normas Nachbarin Bonny

An dieser Stelle ein Dank für die vielen ermunternden Kommentare zu meinem Mantel-Post von Sonntag! Ich bin sehr motiviert, beide Mantelprojekte jetzt auch wirklich hinzubekommen, auch wenn angesichts der vielen anderen tollen Mantelschnitte, die sich am Sonntag beim Mantel-Sewalong besichtigen ließen, meine Liste der "Möchte-ich-auch-noch-nähen"-Projekte wieder deutlich länger geworden ist...

Hier ist jetzt auch der Herbst eingekehrt, aber es gibt noch warme Stunden während des Tages und man kann den einen oder anderen sommerlichen Rock durchaus noch tragen. 

Dieser wilde Blumen-und-Vogel-Stoff entstammte einer meiner ersten Internet-Stoffbestellungen, ungefähr vor vier Jahren. Als der Stoff ankam und ich ihn in den Händen hielt, dachte ich, das sei auch gleichzeitig mein erster totaler Fehlkauf gewesen. So ein großes Muster, das ist ja eigentlich gar nicht meins.

Aber nun war er da und wurde damals mehr oder weniger verhunzt zu einem allerersten Kleid-Experiment. Das war ein Burda-Schnitt, angekräuselter Rock (was mir nicht steht) und sehr enges Oberteil (was mir auch nur sehr selten steht) mit einem enormen Dekolletée (was mir absolut nie steht). Aber es war mein erstes Kleid, der erste Reißverschluss, ich war trotzdem sehr zufrieden mit dem Experiment. Ach was ein Glücksgefühl, wenn so ein Reißverschluss auf einmal zugeht. Der Beginn meiner Näh-Lust, kann ich im Rückblick sagen... Allerdings war auch klar, dass ich das Kleid nie tragen werde.

So lag es lange Jahre im Schrank, und irgendwie gefiel mir der Stoff dann doch zu gut, als dass ich es übers Herz hätte bringen können, ihn einfach wegzugeben oder wegzuwerfen. Immerhin habe ich das Kleid irgendwann aufgetrennt und alle größeren Stoffstücke langzeitarchiviert.

Als ich jetzt neulich meine Ottobres durchblätterte, weil ich eigentlich den Schnitt für den Lemming-Norma-Rock suchte, fiel mir "Bonnie" ins Auge (Ottobre 5/2010, dieselbe Ausgabe, in der auch Norma ist). Der Schnitt gefiel mir auch sehr - Taschen, oben eng, unten wegen vier Kellerfalten eher ausgestellt, mit Gürtel zu tragen und sicherlich alltags- und bürotauglich. Und vielleicht noch einen Versuch wert, das Blumen-Vögel-Kleid einer neuen Bestimmung zuzuführen.

Und das ist tatsächlich was geworden. Der Stoff macht sich in seiner neuen Rock-igkeit richtig gut. Da passt das große Muster hin, und mit einem hellen, einfarbigen T-Shirt und einem Gürtel gefällt mir das Gesamtoutfit. Leider sind die Vögel teilweise geköpft und die Musteranordnung könnte deutlich besser sein. War aufgrund der äußerst knappen Menge aber nicht drin.

Ich habe den Rock nicht gefüttert, was ich aber hätte machen sollen. Für sehr heiße Tage ist das so schon ok, aber bei Strumpfhosenwetterlagen bräuchte ich dringend noch ein Futter. Also das muss wohl noch kommen.

Um das wilde Muster etwas zu beruhigen, habe ich unten aus hellgrünem Baumwollstoff eine Blende angenäht, die gleichzeitig auch den Saum einfasst. Mir gefällt diese kleine Farbborte, die parallel zum Gürtel das bunte Stoffmuster begrenzt. 

Der Schnitt ist toll, er hat praktisch ohne Anpassungen gut gesessen und ich bin direkt in Versuchung, ihn aus anderen Stoffen nochmal zu nähen. Aber erstmal gehe ich zm Me-Made-Mittwoch und schau, was die anderen heute so tragen!

Sonntag, 20. September 2015

Wintermantel die Zweite

Mein Verhältnis zu Sewalongs ist gespalten, um es mal vorsichtig zu beschreiben. Ich bin eine große Planerin und kann mich wochenlang mit der Vorfreude auf Projekte beschäftigen. Dann beschließe ich, an einem Sewalong teilzunehmen, entscheide mich für ein Projekt, kaufe Stoff und lege los. Unweigerlich geraten sich Alltag und Nähplanung in die Quere und die Motivation verkrümelt sich vielleicht auch noch aus unerfindlichen Gründen sonstwo. Und schon ist der Anschluss verpasst.

Aber ich kann es nicht lassen, Übung macht den Meister, vielleicht brauche ich einfach Sewalong-Übung? Daher hier der feste Vorsatz: Diesmal wird's und ich reihe mich ein in die Projekte der wintermantelnähplanenden MMM-Damen.

Und zwar aus drei Gründen: Ich habe einen Wintermantel, der so schäbig geworden ist, dass er dieses Jahr rausfliegt, d.h. ich BRAUCHE einen Wintermantel.

Und ich habe einen  Wintermantel vom letztjährigen Wintermantel-Sewalong, der gar nicht so verkehrt geworden ist, allerdings mangels Futter bisher untragbar und seit Monaten auf der Schneiderpuppe beheimatet. Das Schnittmuster ist Butterick 5533. Der soll also jetzt noch ein Futter bekommen, das leider im Schnitt nicht vorgesehen ist. Für mich ist das Selbsterstellen und Einsetzen eines Futters Neuland und ich erhoffe mir von diesem Sewalong einigen Rat, wie man das hinbekommen könnte. 


Und drittens, ich habe einen zweiten Herbstjackenmantel geplant, nachdem ich den perfekten petrolblauen, heruntergesetzten und samtweichen Stoff mehr oder weniger zufällig beim Herumstöbern entdeckt hatte. Als Schnitt hatte ich Butterick 6141 ins Auge gefasst:



Mir gefällt der Kragen, die aufspringenden Falten und die Knopfleiste, außerdem auch die Länge.

Anlass für diesen Mantelwunsch war eigentlich eine Mantelbegegnung beim Warten auf die U-Bahn. Neben mir stand eine Frau mit einem lila-graufarbenen Samtmantel, mit Empiretaille, irgendwie einer interessanten Kragenlösung und diversen Faltenwürfen. Ich hab sie beim Warten möglichst unauffällig mehrfach umrundet und versucht, den Schnitt zu verstehen. Die Kombination von hochgesetzter Taille, Falten und Samt war sehr toll. Leider kam dann die U-Bahn, und die Trägerin hatte auch noch diverse Einkaufstaschen vor und um sich, so dass ich keinen wirklich guten Einblick hatte. Am liebsten würde ich dann ja sagen, äh, dürfte ich mal kurz in Ihren Mantel reinschauen, wie das da mit der Kellerfalte genau gemacht ist... Meine Internetrecherche ergab nichts wirklich Ähnliches, aber dafür jede Menge andere schöne Mantelmodelle. Ich habe auch direkt taupefarbenen Samt mit Futter und passendem Garn bestellt, der jetzt seit einigen Monaten hier lagert. Dann lief mir der petrolfabene Stoff über den Weg und es gab schon wieder ein neues und noch dringlicheres Bedürfnis nach Petrol und diesem Schnitt, und insofern starte ich jetzt in den Wintermantel-Sewalong mit dem festen Vorsatz, mir einen petrolfarbenen, gefütterten Butterick 6141 zu nähen.

Die Wege zu meinen Nähprojekten sind unerfindlich. Eine wilde Mischung aus Zufalls-Stoffünden, Begegnungen mit interessanten Kleidungsstücken im öffentlichen Nahverkehr, Spontangelüsten, selten auch mal vernünftige Erwägungen über benötigte Ergänzungen im Kleiderschrank. 

Ich starte also unter idealen Bedingungen: Ein fast fertiges und ein schon weitgehend geplantes Projekt, für das auch der Stoff schon hier liegt. Das muss doch zu schaffen sein. Wobei ich befürchte, dass sowohl der graue Wollberg als auch das schöne Petrolprojekt eher herbst- als wintertauglich sind, da beide zwar gefüttert, aber nicht mit Thermoeinlagen etc. versehen sind.

So ein richtiger Frost-Mantel steht dann für nächstes Jahr auf dem Plan.

Mittwoch, 16. September 2015

Grün grün grün...

Das war der heißeste, längste Sommer, an den ich mich erinnern kann. Und so richtig vorbei ist er immernoch nicht, wobei das wohl eher der Fön als ein echter Sommer ist - aber für heute sind nochmal über 30 Grad angesagt.

Daher also nochmal ganz sommerlich: Hier kommt mein absolutes Sommer-Highlight. Dieses Kleid hatte ich schon mal in Schwarz genäht, und es hat sich (also das Schwarze...) zu meinem vielseitigsten, besten Sommerkleid entwickelt (Simplicity 2588), das praktisch im Dauereinsatz war. Schwarz geht einfach immer, ich fühle mich bestens angezogen und für jeden Auftritt gewappnet.

Weil der Schnitt so gut sitzt, wollte ich es gern nochmal aus einem anderen Stoff nähen. Diesen grünen Baumwollstoff hatte ich mal bei modes4you bestellt und wie viele andere auch erst nachträglich festgestellt, dass die Lieferung aus Hongkong kommt und eventuell größere Zoll-Reiseaktivitäten erforderlich macht, wenn das zuständige Zollamt wie hier bei mir ewig weit entfernt mitten in der Landschaft liegt. Aber toller Stoff! Fällt schön, reine Baumwolle, und hat ein wunderbares feines Muster.

Der Schnitt hat sich erneut bewährt. Ich habe den Halsausschnitt verkleinert, allerdings unabsichtlich; irgendwie hatte ich wohl bei den Schnitt-Teilen die Nahtzugabe nochmal dazu gefügt oder irgendsowas. Aber es sieht trotzdem gut aus.

Dieses Kleid trage ich auch sehr gern. Aber es ist enorm grün und sehr auffällig. Ich muss mich schon überwinden, wenn ich damit unterwegs bin, aber ach, wie schön ist dieser Stoff.

Feuertaufe hatte das Kleid auf einer Konferenz, bei der ich (35 Grad im Schatten ohne Klimatisierung) einen Vortrag gehalten habe. Aufgrund der extremen Temperaturen war der Dresscode praktisch über Bord geworfen, alle versuchten irgendwie zurecht zu kommen. Das war der Moment, als ich dachte, jetzt! Es gibt Fotos von meinem Vortrag, was soll ich sagen, ich falle auf - 

Mir gefallen die kleinen Ärmel, die hohe Taille, der weite Faltenrock. Vielleicht entstehen ja sogar noch mehr Kleider nach diesem Schnitt.

Ansonsten liebäugel ich gerade wieder mit den diversen Sewalongs, die sich gerade zusammensammeln. Ach, ich wäre gern dabei, und ach, ich werde es einfach nicht schaffen, die Zeiten einzuhalten. Ich habe in diesem Jahr viel über selbstgenähte Kleidung für den Beruf nachgedacht und dieses und jenes genäht, mal mit und mal ohne Erfolg, und der letztjährige Wintermantel hängt seit Monaten ungefüttert auf der Schneiderpuppe, und Stoff für ein zweites, moschusgelbbraunes Exemplar ist längst besorgt und bereitgelegt.  Anlass gäb es also genug, ich muss nochmal in mich gehen.

Alle anderen selbstgenäht bekleideten Damen versammeln sich wie immer am Mittwoch hier, und da geh ich dann auch gleich mal ein bisschen gucken.



Mittwoch, 2. September 2015

Vogue 8876 in fliederlila

Spät, aber ich reihe mich noch ein am ersten Tag des MMM nach der Sommerpause! Schön, dass es wieder los geht. Ich hatte eine lange Blogpause, bin aber voller guter Vorsätze für die Zukunft.

Hier im Süden Deutschlands waren die letzten Wochen eine echte Herausforderung wegen der enormen Hitze. Ich habe alle meine Sommerkleider hoch und runter getragen. Bewährt haben sich die unspektakulären Jerseyhängerchen, aber das eine oder andere Webstoffkleid erwies sich auch als unverzichtbar.

In diesem Falle als unverzichtbar im Privatleben - ins Büro hat es diese fliederlilafarbene sachartige Ding nie geschafft, aber im Privatleben, Biergarten, Balkon, etc. ist es unschlagbar. 

Ich mag ja die Schnitte von Marcy Tilton sehr. Mir gefällt das Schräge, Überraschende, oft auch die Asymmetrie (die ich sonst gar nicht mag). Mittlerweile habe ich beim Vogue-Sale immer wieder zugeschlagen und habe fast alle Schnitte von ihr erworben. Ich bin immer gespannt, wenn ich ein Marcy-Tilton-Projekt beginne: Es kann total schief gehen, weil Schnitt/Form einfach nicht zu mir passen. Aber es kann auch gut gehen und dann hab ich ein Hinguck-Kleidungsstück mehr, das ich niemals so kaufen könnte.

Dieses hier ist ein gelungenes Experiment gewesen, Vogue 8876. Ich habe mit Vogue immer Größenprobleme, deswegen hatte ich im Vorfeld schon so weit möglich nachgemessen und alles geändert, was irgendwie kritisch aussah. Allerdings ist das Kleid extrem weit geschnitten und soll auch so sein - perfekt für die Hitzewelle dieses Sommers. Zugeschnitten habe ich Größe 10, insgesamt habe ich das Kleid ca. 12 cm verlängert und die Armausschnitte etwas verkleinert.

Der Stoff ist ein dünner Baumwollstoff, der sehr schön luftig fällt. Der Schnitt besteht aus jeder Menge Einzelteile (insgesamt 18 Teile, die man teilweise ja mehrfach ausschneiden muss....), die quer und längs so kombiniert werden, bis schließlich ein Kleid entsteht. Die untere Passe läuft quer und ist gedoppelt. Dadurch ist das Kleid unten etwas schwerer und fällt schön. Außerdem ist es "egg-shaped", hinten länger als vorne (was mir erst beim fertigen Kleid auffiel...) und abgerundet. Ein Kampf waren die vielen Knöpfchen, die man annähen muss, und da ich die Knopflöcher ein kleines bisschen zu groß genäht habe, muss ich die Knopfleiste immer gut im Blick behalten. Aber das ist das einzige Manko.


Ein sehr schönes Sommerkleid, das ich gern und oft trage.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Washi?? Washi!!

Es gibt solche Glücksfälle: Man sieht beim MMM jemanden, der irgendwas trägt, und denkt sich - ja, das ist es. Und zum Glück gibt es den Schnitt als Download. Und zum Glück hat man Zeit und ausreichend Energie, um gefühlt 500 Seiten auszudrucken, auszuschneiden und zusammen zu kleben. Und zum Glück findet sich auch irgendwie noch ein Rest Probestoff zum Ausprobieren.

So geschehen, Ausgangspunkt war dieser Beitrag im MMM von Zioppizopp. Als ich anfing im Internet nach dem Washi Dress zu stöbern, fand ich noch viele weitere Bilder von gelungenen Washis mit allen möglichen individuellen Anpassungen: Mit langen Ärmeln, unterschiedlichen Lösungen der Raffungen im Rücken, mit Knopfleiste, mit Schluppenkragen, mit Peter Pan-Kragen...

Die Anleitung ist äußerst liebevoll, selbst das Nähen eines Probekleides wird voller Sorgfalt erklärt.

Und es ist tatsächlich einfach super. Die Taschen!! Irre, die schneidet man einfach mit an, näht schwupps einmal drumherum, wenn man die Seitennähte schließt, und schon passt das. Die kleinen Ärmel gefallen mir auch, der Stoff wird doppelt gelegt, so dass keine Kantenverarbeitung nötig ist.

Und die Raffung im Rücken ist auch ein erstaunliches Ding, wenn man das zum ersten Mal macht - ich musste erst beim örtlichen Nähmaschinenladen anrufen und nachfragen, wie man das mit dem Unterfaden macht. Es hat erst funktioniert, als ich den Faden STRAFF aufgewickelt hatte. Und dann aber ratzfatz einfach. Tatsächlich sieht die erste Naht schlapp aus, tatsächlich kraust sich mit wachsender Zahl von parallelen Nähten alles immer mehr, und tatsächlich wirkt eine gute Portion Dampf aus dem Bügeleisen Wunder und alles schrumpft in sich zusammen, wie's gehört.

Das Kleid ist bequem, sitzt und sieht nur ein bißchen nach Schwangerschaft aus. Der Stoff, den ich zunächst verwendet habe (lila Baumwoll-Leinen), fällt nicht besonders gut.

Da mir das neckische kleine Detail am Ausschnitt auf die Dauer doch zu freizügig war, habe ich aus einem kleinen Stück Reststoff noch eine "Füllung" gebastelt und eingesetzt. So ist es deutlich angenehmer für mich.

Da mir der Schnitt so gefallen hat, habe ich direkt ein zweites Kleid genäht. Es ist (dachte ich jedenfalls, als ich den Stoff als erstaunlich günstigen Restposten erwarb) aus einem Leinen-Seidengemisch. Der Stoff ist toll zum Anschauen, piekt leider ein bisschen, sieht aber edel aus. Allerdings hat er sich beim Bügeln so verhalten, dass der Leinen/Seide-Anteil wohl nur minimal sein kann. In der Hauptsache ist das irgendwas Polyartiges drin, aber egal. Das größere Problem ist, dass  der Stoff gegen Licht praktisch durchsichtig ist. Aufgefallen ist mir das aber erst, als das Kleid fertig war.


Wegen des etwas leinen-artigen Falls war bei diesem Kleid der Schwangerschaftsverwechslungsfaktor recht hoch und ich habe mich letztlich entschieden, die Falten vorne ein Stück weit zuzunähen. Mit Unterkleid geht es jetzt eigentlich, aber ich habe nur ein Kaufunterkleid, das viel zu kurz ist. Das wäre dann also das nächste Projekt - ein ausreichend langes Unterkleid für die Washi-Kleider. 


Ich habe sowieso vor, beim Washi-Dress in die Serienproduktion zu gehen, und die nächsten Exemplare werden aus fallenden Stoffen sein - ein gepunkteter Baumwollsatin liegt hier schon, und auch dünnere Baumwollstoffe funktionieren bestimmt gut.

Ach ja, und dann habe ich noch gefunden, dass es ein Ergänzungspaket für Washi gibt, mit verschiedenen Kragenmöglichkeiten und sonstigem "Zubehör". Ich hab fast das Gefühl, das werde ich mir bei nächster Gelegenheit auch noch zulegen - dann sind der Washi-Dress-Produktion keine Grenzen mehr gesetzt.

Alle weiteren selbstgenäht bekleideten Damen das Me-Made-Mittwoch finden sich hier ein - heute mit einem wunderschönen Anlasskleid bei der Vortänzerin, das ich direkt nachnähen möchte. 

Mittwoch, 1. April 2015

Nicely balanced oder eben auch nicht

Diese Bluse ist ganz ok geworden, aber ich habe ein Problem - vielleicht kann mir jemand helfen? Es geht um diese balanced-Geschichte - also ob ein Kleidungsstück mittig auf den Schultern liegt oder sich nach hinten oder vorne verschiebt, sobald man es nicht hinzuppelt.

Hinter dieser Bluse verbirgt sich eine längere Geschichte. Den Stoff habe ich vor mehreren Jahren als Restposten im Internet ergattert, leider gab es nur noch einen einzigen Meter. Immer wieder habe ich überlegt, was ich daraus machen kann - mir gefällt die Farbe, die Bäume, die kleine Tiere, aber das Rot ist für mich schon eine echte Herausforderung.

Dann fand ich im Internet die Anleitung zum Scoop top und druckte mir die Schnittbögen aus. Auch das lag erst einmal wieder viele Monate im Regal, bis ich schließlich eines Tages mehr oder weniger zufällig den Schnitt und den Stoff zusammen entdeckte und dachte, das passt.

Dann begann leider eine Serie von sehr unnötigen Denkfehlern. Der Stoff war auf jeden Fall zu klein, um beide Schnitt-Teile aus einem Stück zuschneiden zu können. Also habe ich den Rücken gestückelt und mit sichtbaren Nähten die Trennlinien abgesteppt. Soweit war das noch in Ordnung. Aber dann: Der Schnitt ist sehr klein und zum Vergrößern habe ich  an der Bruchkante des vorderen und hinteren Teils ca. 5 cm. eingefügt. Leider habe ich nicht bedacht, dass dadurch auch der Ausschnitt riesig wird. Also musste ich beim fertigen Shirt oben eine Blende anfügen, gedoppelt, damit der Ausschnitt versäubert ist.

Zweitens stellte sich heraus, dass trotz Vergrößerung die Armausschnitte zu klein waren und auch ein Brustabnäher fehlte. Kein Wunder, der Schnitt ist eigentlich für Jersey gedacht, was ich einfach mal vergessen hatte. Da ich aber den Stoff auf keinen Fall verloren geben wollte, habe ich Abnäher in die bereits ausgeschnittenen Stoffteile genäht, die ihrerseits jedoch die Proportionen der beiden Schnitt-Teile komplett verschoben haben. War irgendwie zu retten (dachte ich), in dem ich auch das Rückenteil gekürzt habe. Außerdem habe ich in beiden Seitennähten jeweils einen Stoffstreifen von ca. 5 cm Breite eingenäht und mit sichtbaren Nähten abgesteppt. Insgesamt entwickelte sich das kleine Projekt dadurch zu einer mehrstündigen Frickelei, aber die Aussicht, das Shirt irgendwie tragbar zu machen, war ausreichend motivierend.


Und es hat tatsächlich ganz gut geklappt: Die A-Form des Schnitts kommt sehr schön zur Geltung, die Weite passt, die Stoffmenge hat so gerade eben auch für die eingesetzten und angesetzten Notfallmaßnahmen gereicht, die angesetzten Zusatz-Stoffteile mit sichtbaren Absteppnähten wirken überraschenderweise sogar so, als wäre das alles so geplant, und die Bäumchen sind zauberhaft. Ein schönes Shirt für den Sommer ist das geworden, und da wir hier gerade wieder einen Winter-Rückfall mit Sturm und Schnee erleben, freue ich mich an dem schönen, leuchtenden Stoff jetzt noch mehr.

Ein Problem habe ich mit diesem Oberteil, ich hatte es auch schon mit Kleidern. Es ist das, was bei der Great British Sewing Bee immer mit einem kritischen Blick von der Seite her geprüft wird, und dann konstatiert Patrick: "Nicely balanced". Oder eben auch nicht. Das Oberteil rutscht, wenn ich es nicht zurecht zuppel, über die Schultern nach hinten und steht vorne ab, während es hinten nicht mehr glatt fällt. Woran liegt das? Ist der hintere Halsausschnitt zu klein? Muss ich an den Schultern (Vorderteil? Rückenteil?) zugeben? Zu wenig Platz für die Oberweite? Wenn mir da jemand helfen könnte, wäre ich dankbar!

Zu den anderen Damen des MeMadeMittwoch, von denen bestimmt irgendwer einen guten Tipp zur Ausbalancierung von Kleidungsstücken hat, geht es hier entlang!

Mittwoch, 18. März 2015

Tiere im Wald

Vor einigen Jahren habe ich im Blog von Rosa P. einen Rock gesehen, der mir sehr gefallen hatte. Das war noch in den ersten Anfangszeiten meines eigenen Nähens, und ich finde den Blogbeitrag tatsächlich noch. Rosa P. hatte einen japanischen Double gauze verwendet, mit Bäumen und Tieren, und die Mischung aus stilisierten Blättern mit den Zeichnungen von Waldtieren fand ich toll.

Damals war der Stoff noch erhältlich und ich habe mir ein (viel zu kleines) Stück bestellt und zu einem Rock vernäht. Das Schnittmuster ist Burda Fashion Style 512C, ein Einzelschnitt mit je zwei Doppelfalten vorn und hinten, den ich seither mehrfach genäht habe.Er hat sich zu einem Basisschnitt im self-made-Teil meines Schranks entwickelt.



Der Rock ist vor ungefähr drei Jahren entstanden und gehört sowohl zu meinen ersten wie auch am häufigsten getragenen selbstgemachten Kleidungsstücken. Irgndwas an diesem Stoff finde ich bezaubernd, ich freue mich jedesmal selbst, wenn ich den Rock trage. Und ich werde auch kaum auf irgendein Kleidungsstück so oft angesprochen wie auf diesen Rock - das heißt, nicht auf diesen Rock, sondern eben auf den Stoff.

Das Schnittmuster hat sich bei mir schon sehr bewährt, es ist leicht anzupassen und der Rock hat durch die vier Falten eine schöne Weite. Weil der Stoff sehr weich ist, habe ich den Rock komplett gefüttert. Oben sind zwei hellgraue Satinbänder aufgenäht, die dem Bund Stabilität geben. Es gibt keinen eigenen Bund, die zusammengenähten Falten bilden den Abschluss nach oben. Das Innenleben des Rocks ist reine Privatsache und alles andere als gelungen, aber das sieht man von außen zum Glück nicht...


Im Moment noch mit schwarzen Strumpfhosen und Jacke über dem T-Shirt - aber der Frühling hat hier in den letzten Tagen eindeutig Einstand gefeiert und die Strumpfhosentage sind gezählt.

Zu mehr selbstgemachter Kleidung im beginnenden Frühling geht es hier entlang!